Herr Albartus, wenn man sich mit Photovoltaik beschäftigt, welche Begriffe sollte man kennen, um Angebote vergleichen zu können?
Der Begriff Kilowatt, in der technischen Abkürzung kW, ist den meisten Lesern wohl geläufig. Wenn dahinter noch ein kleines p folgt, also kWp, spricht man von Kilowattpeak. Das ist eine wichtige Kennziffer. Sie bezeichnet die installierte Modulleistung auf dem Dach. Sie ist nicht nur eine wichtige Berechnungsgrundlage bei der Ermittlung zu erwartenden Energie der Photovoltaikanlage, sondern lässt sich auch für Preisvergleiche gut nutzen. Bei verschiedenen Angeboten und auch bei unterschiedlichen Modulen und Wechselrichter-/Speichertypen lässt sich schnell ermitteln, was der Anbieter pro kWp in Rechnung stellt.
Der Stromverbrauch im Haus wird in Kilowattstunden gerechnet. Das gilt auch für die im Speicher verfügbare Energie, wenn wir eine Photovoltaik-Anlage mit Speicher bauen. Der sollte nach meiner Meinung immer mit verbaut werden, um die erzeugte Leistung auch später in den Abendstunden abrufen zu können.
Welche Positionen muss ich beim Bau einer Anlage einkalkulieren?
Neben den Modulen, Untergestell wird ein Speicher sowie Wechselrichter, die den von den Modulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, benötigt. Als weitere Posten fallen die eventual zu erneuernde Zählerverteilung und natürlich die Montage der PV-Anlage auf dem Dach so wie die Elektroarbeiten an Wechselrichter Speicher und Zählerverteilung an.
Das klingt nach erheblichen Investitionen. Macht eine Photovoltaik-Anlage da noch wirtschaftlich Sinn oder lassen sich die notwendigen Investitionen nur rechnen, wenn wir von steigenden Energiekosten ausgehen?
Bei Neubauten stellt sich die Frage ja gar nicht, weil dort bis auf wenige Ausnahmen eine Photovoltaik-Anlage Pflicht ist. Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, würde ich immer in eine solche Anlage investieren. Nicht nur unter Kostengesichtspunkten, sondern weil sie mich weitgehend autark macht vom Stromlieferanten. Unter wirtschaftlichen Aspekten macht Photovoltaik ebenfalls Sinn, selbst wenn es nicht mehr so attraktiv ist wie 2009/2010. Damals haben sich die Anlagen innerhalb von 10 Jahren amortisiert. Heute dauert es 13 bis 14 Jahre mit Speicher, bis sich die Investition bezahlt gemacht hat. Wenn der Strompreis steigt, geht es natürlich schneller. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit kann ich am besten so beantworten: Geld verdienen können sie mit einer Photovoltaik-Anlage nicht. Aber sie können damit Geld sparen. Und das gute Gewissen, die Umwelt zu entlasten, gibt’s gratis dazu.
Altbauten sind ja problematischer, weil beim Nachrüsten in bestehende Substanz eingegriffen werden muss. Gibt es Fälle, in denen Photovoltaik deswegen aus Ihrer Sicht unwirtschaftlich wäre?
Eigentlich nicht. Es sei denn, die Statik des Dachs lässt die Installation einer Anlage nicht zu. Aber es kommt bei 100 Anlagen vielleicht einmal vor, dass ein Sattel-Dach nicht ausreichend statisch belastbar ist. Für Leitungen, die verlegt werden müssen, gibt es nach meiner Erfahrung immer eine praktikable Lösung. Was bei alten Häusern ein Problem sein kann, ist der Hausanschluss, sprich die Zählerverteilung: Diese Anlagen müssen bei älteren Bauten meistens komplett saniert werden. Das ist tatsächlich so. Aber auch das lässt sich in einem vertretbaren finanziellen Rahmen regeln.
Wie viel Kilowattpeak benötigt ein Einfamilienhaus?
Um einmal ein Beispiel zu nehmen: Der Energiebedarf eines Einfamilienhauses, das von einer vierköpfigen Familie bewohnt wird, liegt im Schnitt bei jährlich etwa 4000 bis 5000 Kilowattstunden. Um diesen Bedarf zu 60 Prozent zu decken, benötigt man ungefähr eine Anlage mit 8-10 Kilowattpeak und einem Speicher mit 10 kWh Kapazität. Dann kann man das Haus energetisch wunderbar übers Jahr zu 60 Prozent autark betreiben und wenn man sich etwas Mühe gibt und einiges in den Tag verlegt wie z.B. Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner, erreicht man auch 65 Prozent.
Welche Fördermöglichkeiten gibt es?
Weil sich das ständig ändert, informiert man sich tatsächlich am besten vor Ort. Manche Städte, wie zum Beispiel Oldenburg, unterstützen immer mal wieder den Bau von Photovoltaik-Anlagen. Da lohnt es sich in jedem Fall, konkret nachzufragen. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verteilt Fördermittel. Dass jetzt aktuell ein 300 Millionen-Programm innerhalb von 5 Stunden ausgeschöpft war. Hier soll es im nächsten Jahr wieder eine geben.
Aber wann genau die Förderung kommt kann ich noch nicht sagen. Städte fördern teilweise auch die Balkon-Kraftwerke
Ich bin von einer Photovoltaik-Anlage überzeug. Welche Voraussetzungen muss mein Dach erfüllen, damit ich eine installieren lassen kann?
Zunächst einmal: Es sollte das eigene sein und nicht das Dach eines Hauses, in dem man zur Miete wohnt. Das Dach muss aber nicht nur nach Süden ausgerichtet sein. Mit einer Ost-West-Ausrichtung kann man sehr gut arbeiten. Es muss kein Spitzdach sein. Auch ein Flachdach eignet sich für Photovoltaik. Schwierig wird es nur, wenn ein Dach den ganzen Tag Schatten liegt. Eingekeilt zwischen hohen Häusern oder unter großen Bäumen lässt sich ein Dach nicht gut für Photovoltaik nutzen. Für den Eigenverbrauch ist eine Ost-West-Anlage sehr gut, weil der Strom dann erzeugt wird, wenn man ihn gerade selbst sehr gut benutzen kann. Eine Südanlage produziert übers Jahr mehr, aber dann wird man auch mehr ins Netz einspeisen und die erzeuge Energie nicht selbst nutzen. Für mich persönlich wäre das vorrangige Ziel, sich unabhängig von Stromanbieter zu machen.
Lohnt sich das Einspeisen ins Netz oder sollte man die gewonnene Energie lieber selbst nutzen?
Für mich ist es das lohnendste Ziel, so viel wie möglich autark zu sein. Das ist richtig schön. Wenn noch Energie ins Netz eingespeist wird, ist das auch gut und man bekommt auch noch Geld vom Energieversorger. Wenn Sie ihn selbst nutzen, können Sie den Strompreis ihres Anbieters dagegen rechnen. Das macht deutlich, dass sie vor allem Geld sparen, wenn Sie die Kapazität der Anlage auf ihren eigenen Bedarf ausrichten.
Kann man Anlagen auch mieten?
Es gibt Anbieter, die Anlagen bauen und dann vermieten. Aber die wollen logischerweise auch Geld verdienen. Nach meiner Meinung ist es viel interessanter, die Anlagen selbst zu bauen.
Die Module werden ja gerade billiger. Kommt davon auch was beim Verbraucher an?
Ja, der Markt ist hier sehr schnell, und wir geben die Preise auch an die Kunden weiter.
Ich habe zum Beispiel gerade ein Angebot erneuert an einen Interessenten, der im März bei mir angefragt hatte, bis jetzt überlegt und ganz aktuell die Förderzusage von der KfW bekommen hat. Der hat jetzt tatsächlich richtig Geld gespart. Module sind bedeutend günstiger geworden und Wechselrichter/Speichersysteme fasst auf dem Stand des letzten Jahres. Aktuell sind das für Käufer sehr gute Voraussetzungen, auch ohne Förderung.