Wo alten Materialien ein zweites Leben geschenkt wird
Momumentendienst berät und unterstützt Eigentümer historischer Gebäude
Der Kaufinteressent hatte sich Verstärkung mitgebracht: Vor dem Erwerb eines fast 200 Jahren alten Gebäudes wollte er fachliche Expertise und bat einen befreundeten Architekten um Rat. Der fällte das Todesurteil: Die geplante Restaurierung des Fachwerkhauses sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Der Verkäufer kam zu einem anderen Schluss: Der Architekt habe vom Restaurieren eines Fachwerkgebäudes keine Ahnung. Kaufpreis plus Sanierungskosten würden weit unter den Kosten für einen Neubau liegen. Diese Diskrepanz zwischen beiden Parteien war nicht zu überbrücken.![]()
Klärung hätte eine unabhängige Einrichtung in Ahlhorn bieten können, die Deutschlandweit einzigartig ist: Der Monumentendienst. Er geht zurück auf eine Initiative der gemeinnützigen Stiftung Kulturschatz Bauernhof und steht seit fast 20 Jahren Besitzern von historischen Gebäuden im gesamten Weser-Ems-Gebiet zur Seite. Mit praktischem Rat, aber auch mit historischen Baustoffen, die er in zwei Außenlagern in Oldenburg und im ostfriesischen Jemgum bei Leer für Restaurierungen vorhält, betreut er mittlerweile rund 2000 Mitglieder in der Region. Zum Angebot gehört auch die Unterstützung von Kaufinteressenten bei der Einschätzung eines historischen Gebäudes.
„Das Team des Monumentendienstes besteht aus professionellen und unabhängigen Fachleuten, die historische Gebäude umfassend, objektiv und gewerkeübergreifend beurteilen können“, sagt Bente Juhl, Pressesprecherin der Initiative. Die festangestellten Inspektoren seien Techniker der Baudenkmalpflege und Altbauerhaltung oder Restauratoren im Handwerk. „Der Monumentendienst möchte damit die Eigentümer von denkmalgeschützten und historischen Gebäuden mit praktischer Hilfe unterstützen“. Durch eine bewusste präventive Denkmalpflege könnten die Eigentümer Ressourcen und vor allem Kosten sparen. Der Monumentendienst leiste damit einen wichtigen Beitrag, um die Freude der Besitzer an ihrem einzigartigen Objekt zu erhalten und damit den Bestand an kulturhistorischen Bauwerken in der Region zu sichern.
Werden historische Gebäude abgerissen, sichert der Monumentendienst durch eigenhändigen Rückbau noch verwertbare alte Baustoffe, um sie BesitzernInnen von historischen Gebäuden für Sanierungszwecke zur Verfügung zu stellen. Der Wiedereinsatz historischer Baustoffe verringert den Verbrauch der immer knapper werdenden Rohstoffe und spart die Energie für die Herstellung gleichwertiger neuer Produkte.
Über Jahrhunderte hätten darüber hinaus viele historische Baustoffe ihre ökologischen und bauphysikalischen Qualitäten unter Beweis gestellt und traditionelle Bauweisen und Materialien auch das gesundheitliche Wohlbefinden in unseren Häusern positiv beeinflusst, sagt Bente Juhl. Historische Bauteile seien außerdem unwiederbringliche Geschichtszeugnisse. „Können sie nicht erhalten werden oder wenn sie im Laufe der Zeit ausgebaut oder zerstört wurden, bieten sorgsam gelagerte Austauschprodukte eine Möglichkeit, Vergangenes zu ersetzen oder zu reparieren.“ Der Monumentendienst biete eine große Vielfalt an historischen Baustoffen. Voraussetzung für den Erwerb sei, dass sie in historische Gebäude eingebaut werden, unterstreicht die Pressesprecherin des Monumentendienstes.
von Klaus Schmidt