01 | 2022
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© Bild: Pexels/ Max Vakhtbovych

Vollholzmöbel sind die schadstoffärmste Alternative

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Vollholzmöbel sind die schadstoffärmste Alternative


Ökologisches Wohnen wird immer wichtiger


Schadstofffreie Möbel: Austretende Schadstoffe können die Zimmerluft belasten

Die Freude über neue Möbelstücke kann schnell abklingen, wenn schon wenige Tage nach der Möblierung, der Kopf beginnt zu schmerzen, die Augen tränen, die Konzentration ist gemindert. Denn nicht selten dünsten Sofa, Couch, Schrank, Teppich und Co. Chemikalien aus, die die Augen sowie die Schleimhäute reizen können. Es gibt zwar gesetzliche Vorgaben und auch bestimmte Siegel, auf die man achten kann. Diese reichen jedoch nicht aus, um eine vollständige Gesundheitsgefahr zu gewährleisten. Ein zusätzlicher Ansatz zu diesen Hilfsmechanismen sind Naturmöbel, die unbehandelt sind. Jedoch: Vollkommen schadstofffreie Möbel kann es nicht geben. Da ist sich auch das Umweltbundesamt sicher. 

Woher kommen die Schadstoffe? 

Lacke, Kleber, Farben oder Kunststoffe können giftige und gesundheitsschädliche Chemikalien enthalten. Mit der Zeit treten sie aus den Materialien heraus und belasten die Luft in den Innenräumen. Auch in verarbeiteten Holzelementen, wie etwa Holzspanplatten, findet man sehr häufig gefährliche Stoffe. Ein großes Problem stellt das Formaldehyd dar, welches seit 2011 in den USA als krebserzeugend eingestuft wird. Deutschland bleibt mit seiner Einstufung als krebserregend noch eine Stufe darunter. Formaldehyd ist als Klebstoff besonders in Holzspanplatten zu finden. Der aktuelle Richtwert von 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter Raumluft gilt seit 1977. Viele Möbelhersteller haben in den letzten Jahrzehnten auf diese wissenschaftlichen Erkenntnisse reagiert und das Angebot an Möbelstücken aus Holzspanplatten stark reduziert. 

Starke Hausdämmung kontraproduktiv 

Ältere Häuser weisen heute in vielen Punkten einen eher schlechteren Ruf auf, etwa bei der Energiebilanz. Jedoch weiß man, dass ältere, schlechter gedämmte Häuser einen höheren Luftaustausch der Innenräume vorweisen können. Eine starke Dämmung führt hingegen zu einer Aufstauung der Raumluft, weshalb hier regelmäßigeres Lüften indiziert ist. 

Nachwachsende Ressourcen sind Material der ersten Wahl 

Natürliche, nachwachsende Ressourcen für Möbel liegen bei ökologischem Wohnen auf der Hand. Holz, etwa von der Eiche, Erle, Kirsche, Nussbaum, Fichte, Ahorn oder Kiefer sind ebenso zu wählen, wie Kork oder Bambus. Nicht selten wird heute auch zur 100 Prozent recycelbaren Wellpappe gegriffen. Neben dem ökologischen Aspekt spielt auch die faire Produktion mit fairen Arbeitsbedingungen eine wichtige Rolle. Hier ist auf das FSC-Siegel zu achten, ein Siegel für Holz und Papier, welches eine Holzproduktion aus nachhaltiger und umweltgerechter Waldbewirtschaftung garantiert. 

Holz ist in den Möbelstücken aber nur selten allein verarbeitet. Auch Stoffe aus Leinen, Naturfilz oder Baumwolle sind ein weiterer Bestandteil, z.B. bei Bezügen oder Teppichen. Aber Vorsicht: Kiefern, die zum Zeitpunkt der Fällung eine hohe Konzentration an Harz aufweisen, können beispielsweise Terpene beinhalten und freisetzen. Aus diesen Terpenen, welches sich im Harz und in den Ölen befindet, können als Spaltprodukte auch Aldehyde entstehen. Buchenholz oder das der Eiche können Essigsäure ausstoßen, die Eiche darüber hinaus auch Lohe. Beide Stoffe können die Atemwege reizen. Vollholzmöbel sind daher auch nicht immer unbedenklich verwendbar. 

Siegel im Blick haben 

Ein Richtwert für eine zumindest niedrige Konzentration an Schadstoffen in Möbel können ökologische Siegel sein. Sie garantieren keine Schadstofffreiheit, sondern die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte. Allen voran ist hier das Siegel „Blauer Engel“ zu nennen. Das Bundesministerium für Umwelt und das Umweltbundesamt vergeben es seit 1978 für besonders umweltschonende Produkte. Das Siegel „Goldenes M“ überprüft die Möbelstücke auf Haltbarkeit, Schadstoffe und Gesundheit. „LGA-schadstoffgeprüft“ beschäftigt sich vor allem mit Schaumstoffen, etwa bei Matratzen und das Siegel „ÖkoControl“ prüft beispielsweise die Einhaltung des Grenzwertes von 0,04 Mikrogramm Formaldehyd pro Kubikmeter Raumluft.


von Andreas Unterberg